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15. Jahrgang (2012) - Ausgabe 5 (Mai) - ISSN 1619-2389
Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Krisennavigator
Mit freundlicher Unterstützung
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Krisenmanagement (DGfKM) e.V.

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Krisenmanagement durch die Runden Tische
der Deutschen Ausgleichsbank (DtA)

von Dr. Margarita V. Tchouvakhina

Problemstellung

Mit ihren derzeit fast 50 Runden Tischen bietet die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) seit 1995 in den neuen Bundesländern und seit 1998 in den alten Bundesländern Beratung und Unterstützung für Unternehmen in Krisensituationen an. Ziel dieser Initiative ist es, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Unternehmen mit Managementexperten, Finanzierungspartnern und Gläubigern in einer vertrauensvollen Atmosphäre zusammen zu bringen und gemeinsam nach Wegen aus der Krise zu suchen. Bisher wurden mehr als 16.000 Unternehmen mit rund 150.000 Arbeitsplätzen aus allen Branchen betreut.

Um die Akzeptanz der Runden Tische zu ermitteln, führte die DtA im Jahr 2002 eine Evaluationsstudie durch. Durch eine repräsentative Befragung aller am Runden Tisch beteiligten Parteien sollten u.a. Erkenntnisse gewonnen werden über die individuelle Rolle der Beteiligten am Runden Tisch, den Zugang zu den Runden Tischen, die Stärken und Schwächen dieser Einrichtung, die Entwicklung der Unternehmen nach Abschluß der Betreuung sowie das Verbesserungspotential der Runden Tische. Die Untersuchung wurde vom Marktforschungsinstitut EMNID im Auftrag der DtA durchgeführt.

Untersuchungsdesign

Im August und September 2002 wurde telefonisch Kontakt mit 881 Personen aus vier Zielgruppen aufgenommen: Unternehmer, Unternehmensberater, Bankenverteter sowie Vertreter von Industrie- und Handelskammern bzw. Handwerkskammern. Alle Personen waren in den zurückliegenden 24 Monaten in Runde Tische involviert. Insgesamt erklärten sich 544 Personen aus allen vier Zielgruppen zu einem Interview bereit. Die Antwortquoten lagen zwischen 64 Prozent (bei den Unternehmern) und 95 Prozent (bei den Unternehmensberatern). 287 Interviews wurden mit Personen aus Westdeutschland geführt. 257 der Befragten kamen aus Ostdeutschland.

Das durchschnittliche Lebensalter der befragten Unternehmer lag bei 48 Jahren. Damit waren die "Kunden" der Runden Tische im Durchschnitt rund zehn Jahre älter als die sonstigen Mandanten der DtA. 26 Prozent der Befragten waren Frauen. Der Frauenanteil lag damit um zwei Prozentpunkte unter dem Frauenanteil aller Selbständigen in Deutschland. Vermutlich nutzen Frauen in betrieblichen Krisensituationen zusätzlich andere Beratungsangebote - wie beispielsweise die Beratungsstelle "Frau & Beruf". 47 Prozent der befragten Bankenvertreter sind bei Sparkassen beschäftigt, 36 Prozent bei Volks- und Raiffeisenbanken und 17 Prozent bei Privatbanken. Aus diesen Zahlen wird der hohe Anteil der Sparkassen und Volksbanken an der Finanzierung von Kleinunternehmen deutlich.

Ergebnisse

Die Nachfrage nach den Runden Tische ist seit ihrer Einführung kontinuierlich gestiegen. Das Instrument hat sich somit erfolgreich etabliert und trifft auf eine hohe Akzeptanz der Beteiligten. In den ostdeutschen Bundesländern gaben 71 Prozent der befragten Unternehmer an, über die Kammern auf die Runden Tische aufmerksam geworden zu sein. In den westdeutschen Bundesländern lag dieser Wert bei 57 Prozent. Außerdem spielten in Ostdeutschland die Hausbanken bei der Vermittlung von Kunden an die Runden Tische eine deutlich aktivere Rolle als in Westdeutschland.

Aus Sicht der Not leidenden Unternehmer bildete die Schwachstellenanalyse das zentrale Element der Runden Tische. Nach den Gründen für die Schieflage gefragt sahen insbesondere ostdeutsche Unternehmen die Krisenursachen überwiegend außerhalb ihres eigenen Einflußbereiches. Im Gegensatz dazu waren nach Meinung der anderen am Runden Tisch beteiligten Parteien individuelle Management- und Planungsfehler des Unternehmers primär für die Krise verantwortlich.

57 Prozent der an Runden Tischen beteiligten Unternehmen gaben an, dass ihre Lage nach Abschluß der Betreuung gleich geblieben sei. 36 Prozent konstatierten eine Verbesserung ihrer Situation und 8 Prozent eine Verschlechterung. Zwischen 40 und 45 Prozent der Unternehmen befanden sich weiterhin in der Krise. 25 bis 30 Prozent der Betriebe waren wieder "gesund" am Markt vertreten. Der Rest befand sich entweder im Insolvenzverfahren oder existierte nicht mehr.

Insgesamt betrachtet zeigten alle Parteien eine mittlere bis hohe Zufriedenheit mit den Runden Tischen. Die befragten Berater und Kammern sahen primär die kommunikativen Aspekte der Runden Tische als deren Stärke an. Unternehmer hoben demgegenüber die Analyse- und Beratungsfunktion besonders hervor. Auch die gemeinsame Suche nach Lösungen und die Stärkung der eigenen Position gegenüber den Gläubigern wurde von den Unternehmern positiv bewertet. Als Schwäche der Runden Tische kritisierten die Befragte zum einen die fehlende Nachsorge. Zum anderen bemängelten insbesondere die befragten Unternehmer und Unternehmensberater die häufig fehlende Kooperationsbereitschaft der Banken.

Bezug

Die Langfassung der Studie  "Turna-round durch Krisenmanagement - Ergebnisse der Evaluation DtA-Runde Tische" steht zum kostenlosen Download im Internet-Angebot der Deutschen Ausgleichsbank bereit (PDF-Dokument, 24 Seiten, 1.43 MB).
| Download |

Autorin

Dr. Margarita V. Tchouvakhina
Deutsche Ausgleichsbank (DtA)
Abteilung Markt- und Mittelstandsforschung
Ludwig-Erhard-Platz 1–3
D-53179 Bonn
Telefon: +49 (0)228 831 - 23 00
Telefax: +49 (0)228 831 - 29 36
Internet: www.dta.de
E-Mail: margarita.tchouvakhina(at)dta.de

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
6. Jahrgang (2003), Ausgabe 5 (Mai)


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